Ein inspirierender Tag ganz im Zeichen von Heinrich von Kleist liegt hinter dem Deutschkurs 2d6 und einzelnen Interessierten der Q13. Aus der Reihe Das lebende Programmheft des ETA Hoffmann Theaters Bamberg gab es für den diesjährigen Abiturjahrgang eine Sonderveranstaltung, bei der „Der zerbrochne Krug“für die Schülerinnen und Schüler, welche das Werk als länderübergreifende Lektüre im Zuge der Abiturvorbereitungen behandeln mussten, aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wurde.
Im Gespräch mit Prof. Dr. Andrea Bartl von der Universität Bamberg, Chefdramaturgin Antonia Leitgeb-Busche und Intendant John von Düffel wurde am 12.2.2026 der Abiturstoff lebendig. So wurde über die zahlreichen Themen und Motive, welche dieses Lustspiel für die Vergleichsaufgabe im schriftlichen Deutschabitur bietet, seitens des Expertengremiums ausgiebig diskutiert. Im Fokus standen dabei Aspekte wie der Machtmissbrauch, die me-too-Debatte, die Zerstörung der Rechts- und der Familienordnung sowie der Konflikt zwischen Wahrheit und Lüge. Schnell stellte sich dabei für das Publikum heraus, dass viele dieser Themen einen hohen Aktualitätswert besitzen. Wirft Kleist doch letztlich die Frage auf: Wie lässt sich in einer solchen Welt noch Ordnung herstellen, mit der man sich identifizieren kann, deren Werte offensiv vertretbar sind?

Die Figuren und den Sprachwitz von Heinrich Kleist machten zwei Ensemblemitglieder mit gelesenen Ausschnitten direkt erfahrbar. So schlüpft Eric Wehland gleichzeitig in die Rolle des Dorfrichter Adams und Eves Verlobten Ruprecht und spielte dadurch gekonnt mit der gebotenen Komik des Dialogs. Für die Schülerinnen und Schüler nachhaltig einprägsam bot Laura Röseler eine Textpassage aus dem Variant dar, in der insbesondere die im Rahmen des Deutschunterrichts kontrovers diskutierte sowie interpretationsoffene Stelle zwischen Adam und Eve für eine gespannte Stille sorgte. Beeindruckt zeigten sich die Jugendlichen auch von den ausgeführten Einblicken der Schauspieler über die persönliche Annäherung an ihre jeweilige Rolle.
Bleibt zu hoffen, dass die aufgefrischten oder neu gewonnenen Erkenntnisse über den „zerbrochnen Krug“ gewinnbringend für die bevorstehende Abiturprüfung genutzt werden können – das wünsche ich euch jedenfalls!
S. Fetzer


